Über Rafaela Linn – Fotografin mit Herz
Meine Fotografie spiegelt eine Reise von der Kindheit im Erzgebirge bis zur künstlerischen Freiheit in Braunschweig wider. Mit meinem mir eigenen Blick für Architektur und Emotionen schaffe ich Bilder, die Geschichten erzählen und berühren wollen.
Von Aufstand und Versöhnung
Wer kennt schon den Ort ‚Nassau im Erzgebirge‘? Kaum jemand. Es ist der Ort meiner Kindheit und Jugend, der Ort, an dem ich zur Schule ging, den ersten Fotoapparat in den Händen hielt, Experimente in der Dunkelkammer machte, Fotoabzüge von in der DDR verbotenen Musikgruppen erstellte und an meine Mitschüler weitergab.
Der Arbeiter- und Bauernstaat zwang mir einen Beruf auf, der weder meiner Begabung noch meinem Können entsprach, sondern meine Eltern und mich bestrafen sollte für Widerspruchsgeist und eigenwilliges, freiheitliches Denken.
So machte ich mich als Jugendliche in zahlreichen Tagträumen auf in Länder, die nicht unter dem Druck des Regimes standen, in denen man als Jugendliche nicht in Sippenhaft genommen würde für das Vergehen, einen selbstständigen Handwerksmeister zum Vater zu haben.
Als ich im Alter von 28 Jahren umzog, verließ ich den "Osten", der mich allerdings doch bis heute nicht vollkommen loslässt, mich zu einer Reisenden zwischen zwei Welten macht.
Vielleicht ist mir aber genau dadurch ein Blick von außen entstanden, der der Fotografin den wichtigen Abstand und die Offenheit verschafft zu reflektieren und zu analysieren, aber ohne die liebevolle Bindung zu verlieren, die zu allem, was mich im Leben berührt, entsteht.
Die zweite Welt und neue Heimat – Braunschweig - das ehemalige Zonenrandgebiet, liegt seit der Wende mitten in Deutschland. Voller Neugier machte ich mich mit wachen Augen, Scharfsinn und Sensibilität auf, das "Diesseitige" - früher: "Jenseitige“ zu entdecken und anzunehmen - die dargebotenen Angebote, aber auch die Herausforderungen.
Die analoge Fotografie wird zur Vergangenheit; Digitaltechnik war nun angesagt!
Fast unbemerkt entwickelte sich in den folgenden Jahren mein eigener Stil. Der „fremde Blick“, mit dem ich meine Welt betrachtete, wurde mir zum Vorteil – die Beobachterin suchte und fand ungewohnte Perspektiven, Ansichten und Winkel.
Auch das www bot Chancen zur Weiterbildung. Durch Beispiele von Amateuren und Profis, besuchte Workshops und sogar einen eigenen Tutor lernte ich ständig dazu, wurde schließlich selbst zur Lehrenden für andere.
Immer auf der Suche nach dem Bruch, aber in ihm auch nach Schönheit, Ästhetik, Formensprache, Dissonanz und Harmonie gewann ich Klarheit, dass im Leben "alles Architektur ist", dass sich der Körper, die Umwelt, die gesellschaftlichen Organismen, alle, nach einem System aufbauen, von der Basis bis zu den höchsten Höhen.
So begann ich die Geometrie und Schwerkraft des Statischen, des Immobilien immer mehr zu suchen, ins Blickfeld zu bekommen, deren Gesetz- und Gestaltungsmöglichkeiten zu studieren, wobei mir die Natur, die Umwelt, in der sich alles befindet und natürlich der kulturschaffende Umgestalter, der Mensch - stets genauso wichtig war.
Im Jetzt bin ich mit meiner Vergangenheit versöhnt - und zugleich herausgefordert, die Kreativität, die künstlerische Begabung, das Talent, das in mir steckt, ans Licht zu bringen.
Die Auseinandersetzung mit der Fotografie ist mir Leidenschaft und tiefer Frieden zugleich und ein Teil meiner Motivation und meines Strebens drückt eine Dankbarkeit an dieses Land, an diese freiheitliche Gesellschaft aus – ich möchte zurückgeben, was mir durch Verantwortung, Freiheit und Demokratie erst möglich wurde.